Gleichstellung 2040:

Welches sind die grössten Herausforderungen für die Frauenkommission bis ins Jahr 2040?

Lucie Waser, Gleichstellungsbeauftragte SEV

Durch den zweiten landesweiten Frauenstreik ausgelöst wird eine politische Bugwelle entstehen, welche einige Jahre nachwirken dürfte. Diese Kraft wird die Thematik der Frauenrechte für einige Zeit ins Licht der Öffentlichkeit stellen, bevor auch dieses dann wieder erlischt. In diesem Sog der Aktivitäten wird die SEV Frauenkommission noch für einige Jahre einen Aufwind erfahren, der danach aber versiegen wird. Die digitale Revolution verändert die Arbeitswelt des öffentlichen Verkehrs dermassen fundamental, dass sämtliche gewohnten Strukturen zerfallen und neu gebaut werden müssen. Ob in diesem Kontext eine alte Tradition von «nationaler SEV Kommission» als sinnbildende Struktur überlebt, wage ich zu bezweifeln. Viel eher sehe ich die Stärke einer Gewerkschaft in flexibleren Konglomeraten, die sich zu jeweiligen Themen projektartig bilden und sich bei Zielerreichung wieder auflösen. Ein thematisches Expertinnen- und Expertenkomitee, kurzfristig einberufen zu einer aktuellen Thematik, erarbeitet mit einem gewissen Tempo auf eine bestimmte Deadline hin ein konkretes Produkt.

Bereits ab 2020 sind alle alten Strukturen, die Zeit und Ressourcen verschleissend arbeiten zukunftslos. Menschen müssen lernen schneller zu denken und in die Handlung zu kommen. Die «Zusammenkünfte», wie auch immer sie dann genannt werden, sind nicht mehr lokal verankert, sondern laufen immer mehr über Onlinetools der Kommunikationstechnologien, was das Anreisen erübrigt zu Gunsten einer strukturierten Gesprächsmoderation. Meinungsbildungen laufen über Chats ab und Entscheidungsprozesse werden erfasst durch das SEV Onlinevoting (als Idee). Dies hat den Vorteil, dass sich viele Mitglieder einbringen können, was einer demokratischen Meinungsbildung förderlicher ist, als gewählte Zufallsgremien, wie wir sie heute kennen, die für alle Mitglieder bzw. Betroffenen Entscheidungen treffen. Expertinnen und Experten werden diejenigen sein, die sich nur noch persönlich begegnen werden. Um in diesen Status zu kommen, muss vorab ein Kompetenznachweis einem Wahlgremium vorgelegt werden. Mit anderen Worten, die Dachorganisation SEV steuert Gruppenbildungen nach Bedarf und Thematik. Grossgruppentreffen finden weiterhin alle zwei Jahre in Form eines zweitägigen Kongresses statt, der neu strukturiert wird und darum mehr Beratungs- und Meinungsbildungsanteile einbaut, bevor zu Abstimmungen geschritten wird.

Es soll in Zukunft mehr Fokus auf das erarbeiten gemeinsamer Wertehaltungen und gewerkschaftspolitischer Stossrichtungen gelegt werden, als auf eine Sammlung von Anträgen was wir heute beobachten können. In diesem Sinne, nein, glaube ich nicht, dass Kommissionen aller Couleur, wie wir sie heute kennen, 2040 noch existieren auf nationaler SEV Ebene. Hingegen kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Sektionskomitees eine Aufwertung erfahren und sich Interessengruppen dort vor Ort nach Bedarf entwickeln werden. Für das gesellige Zusammensein könnte der SEV neue Wege beschreiten, weil die persönliche Begegnung zu einem wachsenden Bedürfnis der Mitgliedschaft werden wird in einer immer stärker sich digitalisierenden Welt.

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