SEV 2040:

Welches sind die grössten Herausforderungen für den SEV bis ins Jahr 2040?

LPV

Gibt es im Jahr 2040 das Berufsbild der Lokführerin, des Lokführers noch? Wie könnte ein neues Berufsbild auf dem Zug aussehen?

Das Berufsbild des Lokführers wird sich in den nächsten 20 Jahren mit Sicherheit weiter verändern. Aber ich bin überzeugt, dass wir bis 2040 keine Züge auf Schweizer Schienen ohne Mitarbeiter mit Fahrkompetenz haben werden. Die Preisfrage ist: Sitzt noch jemand im Führerstand und ist aktiv an der Zugführung beteiligt oder nicht. Das Berufsbild könnte also zu einer Mischung aus Lokführer, Bordtechniker und Fahrgastbegleiter mutieren. Die Zunahme an Kompetenzen wird allerdings die schon heute schwierige Rekrutierung noch weiter erschweren.

Wie sieht die ideale Mitgliederwerbung der Zukunft aus?

Idealerweise muss für eine Gewerkschaftsmitgliedschaft nicht geworben werden, weil es allen sonnenklar ist, dass man nur zusammen die Anstellungs- und Arbeitsbedingungen erhalten oder gar verbessern kann. Dass Gewerkschaften zudem politisch Einfluss nehmen können muss, dürfte ebenso selbstverständlich sein.

Welches sind die grundsätzlichen Herausforderungen der Zukunft in eurem Bereich?

Die ganz grosse Herausforderung wird sein, dass digitale Systeme uns zwar geeignet unterstützen aber nicht soweit ersetzen, dass ein Eingreifen nur noch im Notfall gefordert wird; dass also die Wachsamkeit stets gegeben ist und alle nötigen Kompetenzen auch bei einem Systemausfall unverzüglich abrufbar sind und wir sicher reagieren. Ebenso anspruchsvoll wird die Rekrutierung neuer Kolleginnen und Kollegen sein, welche den immer noch tollen Job als Lokführerin oder Lokführer machen wollen. Reden die CEOs der grossen Bahnunternehmungen weiterhin von führerlosen Zügen, schreckt das noch mehr ab.

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Barbara Spalinger, Vizepräsidentin SEV

Ich und wir

Ich

Ich tue, was ich will, ich lebe meinen Traum. Ich schaffe es, wenn ich nur will. Ich muss mich nur richtig präsentieren. Niemand redet mir rein. Wenn mir etwas nicht passt, mache ich einfach etwas anderes.

Das stimmt. Genau zur Hälfte. Die andere Hälfte heisst: Beim Wettbewerb gewinnt immer nur einer. Wenn ich mich selbst inszeniere, brauche ich andere, die das wahrnehmen. Partizipation mehr ist, als ein gehobener Daumen oder ein Smiley per Knopfdruck. Meine Selbstbestimmung passiert in den engen Grenzen der Fremdbestimmung. Und sie hat immer einen Preis. Wenn ich ihn nicht zahle, müssen das andere. Besonders, wenn ich zum Beispiel ernsthaft krank werde.

Wir

Ob wir es wahrnehmen oder nicht, wir sind aufeinander angewiesen. Die Gesellschaft spaltet sich immer stärker in die, die ihre Träume leben können, und die, die sie bezahlen. Die einen sind wenige, die anderen viele. Die Chance, dass ich zu den wenigen gehöre, ist sehr viel kleiner, als ich es mir ausrechne.

Wir wollen aber nicht, dass es so ist. Wir möchten Partizipation aller. An der Verwirklichung ihrer Träume aber auch an den Kosten. Dafür sind wir da. Wir haben bewiesen, dass Dinge, die man alleine nicht erreicht, gemeinsam erreicht werden können. Dass es aber nicht immer im ersten Anlauf geschieht, sondern mit Geduld und Hartnäckigkeit, mit Zusammenarbeit und manchmal auch mit Kompromissen, die mir nicht nur zusagen. Wir unterstützen zudem diejenigen, die nicht Erster im Wettbewerb geworden sind. Weil sie weniger Kapazitäten haben, etwas verpasst haben, weil sie mit häuslichen Sorgen und Verpflichtungen belastet sind. Auch die, die krank geworden sind und noch viel mehr auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Auch hier erreichen wir mehr als einer alleine.

Schaffen wir es, diese Botschaft so zu vermitten, dass wir nicht immer weniger werden?

Das ist die grösste Herausforderung des SEV bis ins Jahr 2040.

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AS

Wie sehen die idealen Arbeitsformen der Zukunft im Bereich Administration und Services aus?

Durch die Digitalisierung werden sich alle Berufsbilder stark verändern. Dies bedingt neben der rechtzeitigen und vorausschauenden Aus- und Weiterbildung eine humane Gestaltung der Arbeitsplätze. Die Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass die Arbeitenden immer mehr zu Einzelkämpfern werden und der Mensch soll nicht zum Sklaven der Maschine werden. Auch neue Arbeitsformen wie «working anywhere» bieten neben Chancen auch Gefahren. Darum ist für die zukünftige Gestaltung der Arbeit die Teamarbeit zu stärken. Die Arbeitsplätze sollen individuell nutzbare Möglichkeiten bieten. Dazu braucht es neben grosszügigen und humanen Teamräumen auch m Rückzugsmöglichkeiten für Einzelne.

Was kann gegen die Enthumanisierung der Bahnhöfe unternommen werden. Wird es im Jahr 2040 noch Schalter in den Bahnhöfen geben?

Die Bahn als wichtiges Standbein des Service public muss für die Menschen da sein. Obwohl die Technologisierung uns viele Arbeiten abnimmt, wünschen die Kundinnen und Kunden auch in Zukunft den Kontakt mit Menschen. Die Reisenden möchten von ihnen beraten werden und spüren, dass für ihre Sicherheit gesorgt wird. Dafür kämpfen wir und wollen auch die politischen Entscheidungsträger überzeugen, dass eine Bahn ohne Personal unvorstellbar ist. Investitionen in den Service public sollen nicht nur in Maschinen und die Digitalisierung gemacht werden. Wo dann diese Dienstleistungen im Jahre 2040 erbracht wird, ob noch an traditionellen Schaltern oder vielleicht nahe beim Reisenden auf dem Perron, ist weniger entscheidend, als dass der Zugang zu den Dienstleistungen kundenfreundlich und ohne Einschränkung möglich ist. Wichtig dafür ist, dass das Personal mit direktem Kundenkontakt nicht noch mehr rationalisiert und deren Ausbildung intensiviert wird.

Welches sind die grundsätzlichen Herausforderungen der Zukunft in eurem Bereich?

Mit der Digitalisierung entstehen neu Berufsbilder und es kommen neue Kolleginnen und Kollegen zur Bahn welchen sich der Nutzen der Gewerkschaft für ihre Arbeit nicht gleich erschliesst. Für uns ist es wichtig auch sie zu erreichen und von der Arbeit des SEV zu überzeugen. Um möglichst viele persönliche Kontakte herstellen zu können, wollen wir unser Vertrauensleutenetz ausbauen, uns gut vernetzen und neue Kommunikationskanäle entwickeln. Wir sind überzeugt, dass die Beratung und Unterstützung durch den SEV gerade auch wegen den neuen Arbeitsformen stark zunehmen wird.

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BAU

1. Welche Aus- und Weiterbildungsmassnahmen wären notwendig, um sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter die Herausforderung der digitalen Evolution bewältigen können?

Der Digi-Check müsste obligatorisch werden, damit eine Wissensstand-Bestimmung als Grundlage vorhanden ist. Aufbauend auf dieser Standortbestimmung sollten dann Fördermassnahmen zum Niveauausgleich unter den Mitarbeitern geschaffen werden. Diese Massnahmen sollten von den sogenannten IT-Champions weitergegeben werden. Es wird auch notwendig sein die Mitarbeitern direkt am Arbeitsplatz (von der Theorie zur Praxis) zu schulen. Gegenüber der reinen E-Learning-Methoden sind wir eher skeptisch eingestellt, da wir in der Vergangenheit auch gesehen haben, dass diese Form nicht nur Vorteile mit sich bringt, da die Inhalte meistens zwar klar sind aber die Erklärungen bzw. zusätzliche Erläuterungen so fehlen.

2. Wie könnte die ideale Struktur der Gewerkschaftsmiliz in Zukunft aussehen?

Durch die bereits erfolgte Zusammenlegung der verschiedenen Baudienstsektionen sind wir polyvalent für alle Probleme und Anregungen der Mitglieder aufgestellt. Die Struktur mit den Unterverbänden und den Sektionen ist grundsätzlich in Ordnung und kann so beibehalten werden. Der Wiederaufbau des Vertrauensleute-Netzwerkes hat eine hohe Priorität um noch näher bei unseren Mitgliedern zu sein. Eine angemessene Vertretung der Sprachregionen sollte wenn möglich in den Leitungsgremien der Unterverbände sichergestellt sein. Mit unserem Newsletter können wir den Mitgliedern die aktuellsten News schnell und gezielt zusenden und so sicherstellen, dass die Mitglieder über die notwendigen Informationen verfügen.

3. Was sind die wichtigsten Herausforderungen, vor denen Sie in Ihrer Branche in naher Zukunft stehen?

Im Bausektor wird eine zukünftige Herausforderung sicherlich darin bestehen, dass die SBB immer mehr mit Dritten zusammenarbeitet. Die Mitarbeiter dieser Unternehmen sind oft nicht mit einer Gewerkschaft verbunden, daher wäre es eine gute Idee, auch bei diesen Firmen mehr Mitglieder anzuwerben um dort besser vertreten zu sein. Wenn wir zulassen, dass sich ihre Bedingungen verschlechtern, wird sich das sicherlich auch auf uns auswirken. Eine weitere Herausforderung wird darin bestehen, das Durchschnittsalter in unserer Führungsgremien sowie der Mitglieder von Sektionen und Unterverbänden zu senken, damit wir eine Zukunft und Kontinuität unserer Arbeit gewährleisten können. Die Nachfolgeregelungen im Unterverband sowie den Sektionen müssen aktiv geplant werden und Nachwuchs für dies Ämter muss aktiv rekrutiert werden. Überwachung der Infra 2.0 Umsetzung, Kontrolle der Einhaltung des GAV und der korrekten Umsetzung der Massnahmen bei der SBB im Auge behalten. Auch die Weiterentwicklung des GAV-SBB finden wir wichtig.

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PV

Zuallererst möchten auch wir Pensionierten der SBB dem SEV zu seinem 100-jährigen Bestehen herzlich gratulieren: Wir wünschen ihm auch das zweite Jahrhundert viele überzeugte Mitglieder, eine unvermindert grosse Schlagkraft und damit verbunden viel Erfolg zum Wohle des Verkehrspersonals und dessen Pensionierter. Wir gratulieren unserer Mutterorganisation gewissermassen auf Augenhöhe: Auch der PV feiert 2019 seinen 100. Geburtstag.

Der Blick zurück verbindet uns in tiefer Dankbarkeit mit unseren Vorfahren, die für unsere gemeinsame Sache gekämpft haben. Der Blick zurück hilft uns auch, aus ihren Erfahrungen zu lernen und für uns Schlussfolgerungen für die Zukunft zu ziehen. Und an diesem Punkt ist er denn auch untrennbar mit dem Blick nach vorne verbunden: Es gilt den Kompass neu auszurichten um unsere Ziele zu erkennen und anzuvisieren. Die Gegenwart, die zwischen Vergangenheit und Zukunft steht, ist nur allzu deutlich der schlagende Beweis dafür, dass es die Gewerkschaft auch weiterhin braucht.

Ich bin vom SEV gebeten worden, darüber nachzudenken, welche Pensionierungsmodelle die Zukunft uns wohl noch bringen wird und wie der PV mit den immer flexibleren Modellen umzugehen gedenkt. Die zweite Frage, auf die von uns eine Antwort erwartet wird, lautet: «Welches sind grundsätzlich die Herausforderungen der Zukunft in eurem Bereich?»

Pensionierung: Wie und wann?

Nun: Wir könnten es uns mit der Beantwortung dieser ersten Frage sehr einfach machen: Wir stehen ennet der Schwelle zur Pensionierung! In der Tat ist es so, dass sich diese Frage doch in erster Linie an die Menschen im Arbeitsprozess richtet: Wann möchte ich wie in den Ruhestand treten? Möchte ich das von einem Tag auf den anderen tun (und bin ich dann auch darauf vorbereitet?) oder möchte ich meinen Arbeitseinsatz schrittweise reduzieren und mich langsam an den dritten Lebensabschnitt herantasten, damit mir der Übergang nicht allzu schwerfällt? Möchte ich bis zur ordentlichen Pensionierung mit 65 arbeiten? Vorzeitig in Pension gehen oder allenfalls gar länger arbeiten?

Ich denke: Die Antwort gibt es nicht. So individuell wie die Lebensentwürfe der Menschen sind, so einzigartig sind auch die Übergänge in den Ruhestand. Ich glaube kaum, dass sich die Diskussion um noch mehr oder neue Ruhestandsmodelle drehen wird. Dreh- und Angelpunkt wird in Zukunft das Rentenalter sein: 64? 65? 67 oder gar noch höher? Wir alle kennen die Diskussion, die hierüber bereits auf Hochtouren läuft: Da gibt es die Gewerkschaften, die das vorgezogene Rentenalter schon fast dogmatisch bewirtschaften. Da gibt es die Arbeitgeber und die Pensionskassen, die ebenso dogmatisch von einem länger dauernden Erwerbsleben sprechen und sich dabei auf die Demografie berufen. Und dazwischen befindet sich das Individuum, das seine persönliche Lösung finden muss. Hier wird es Diskussionen und Auseinandersetzungen geben (müssen) – eben nicht auf der Ebene von Dogmen und Lehrsätzen, sondern im Ringen darum, das Richtige zu finden. Und richtig können, mit Verlaub gesagt, eben verschiedene Lösungen sein, weil nur sie dem Individuum wirklich persönlich Rechnung tragen.

Allerdings kommt noch eines hinzu: Die technologische Entwicklung könnte dazu führen, dass ältere Mitarbeitende mitunter mit dieser Entwicklung nicht ohne Weiteres Schritt halten können und aus dem Arbeitsprozess fallen. Und man sieht es heute schon: Es ist für sie dann fast unmöglich eine neue Arbeitsstelle zu finden obschon man von «länger arbeiten» spricht. Theorie und Praxis klaffen da auseinander. Und wenn wir dieses Delta nicht zu beherrschen lernen, kommt als neues, trauriges Phänomen eine «Voraltersarmut» auf, die die Menschen nicht nur finanziell sehr trifft, sondern auch psychisch, weil ihnen nach jahrzehntelangen Arbeitens plötzlich kein Wert in der Gesellschaft mehr zugebilligt wird. Das bereitet mir grosse Sorge.

Ich glaube, diese Diskussion müssen wir auf der Ebene der Sozialpartnerschaft und der Politik sehr sorgsam führen – immer bereit dazu, im Abwägen von Pro und Kontra tragfähige Kompromisse einzugehen. «No go», wie heute auf beiden Seiten oftmals die Positionen sehr früh abgesteckt werden, verhindert das Gespräch und bringt niemanden wirklich weiter.

Die Herausforderungen für den PV

Die vielleicht ernsthafteste Herausforderung für unseren PV steckt wohl darin, dass die heute (und noch vielmehr in der Zukunft) in den Ruhestand tretenden Generationen die Gewerkschaft als Versicherung betrachten, die sie mit dem Übertritt in den Ruhestand nicht mehr benötigen und daher den Austritt erklären. Die Solidarität, wie frühere Generationen sie gelebt haben, ist oft schon fast zu einem Auslaufmodell verkommen. Doch es geht nicht nur um diese Solidarität: Man vergisst dabei, dass auch im Ruhestand lange nicht alles golden ist: Es gibt materielle und soziale Probleme, die sich in Zukunft sogar noch oder wieder akzentuieren werden. Diese sind es auch gewesen, die vor weiland hundert Jahren die pensionierten Eisenbahner veranlassten sich gewerkschaftlich zu organisieren. Sie haben erkannt, dass man nur gemeinsam dagegen ankämpfen kann und die Geschichte belegt, dass sie damit Recht hatten.

Auch die ältere Generation braucht eine «Lobby», die sich ihrer Sorgen und Nöte annimmt – und das ist die Gewerkschaft: Der PV, der SEV in enger Zusammenarbeit mit dem SGB. Wenn man einen Blick auf die sozialpolitische Landkarte der Schweiz von heute wirft, erkennt man sehr bald, wie wichtig es ist, auch die Anliegen der Dritten Generation mit aller Kraft zu vertreten. In Art. 113 der Bundesverfassung steht geschrieben: «Die berufliche Vorsorge ermöglicht … die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise». Wir alle wissen, wie diesem Artikel heute nicht mehr nachgelebt wird. Mit aller Kraft müssen wir uns dafür einsetzen, dass diesem Grundrecht Nachachtung verschafft wird. Wir – der PV, der SEV, der SGB. Allein schon dieser eine Hinweis macht deutlich, wie wichtig eine Gewerkschaft auch für die Pensionierten ist! Bleiben wir also dem SEV treu und setzen wir uns für ihn wie schon zu aktiven Zeiten auch persönlich ein!

Eine weitere Herausforderung für unseren PV ist demografischer Art: Man geht heute gesunder und fitter in den Ruhestand als das früheren Generationen vergönnt war. Da sagt dann manch einer beim geplanten Übertritt in den PV: «Ich bin doch noch nicht so alt!» Wir müssen uns so aufstellen, dass es eben heute nicht mehr drei, sondern vier Lebensalter gibt: Neben den Phasen der Jugend und des Erwerbslebens gibt es heute ein jüngeres und ein höheres Alter mit ganz verschiedenen Ausprägungen und auch Problemen. Hier müssen wir ansetzen und gezielter auf die Bedürfnisse unserer Mitglieder eingehen – ohne dabei die Einheit unserer Organisation aufs Spiel zu setzen. Wir haben das erkannt und sind daran Massnahmen einzuleiten und umzusetzen.

In diesem Zusammenhang muss auch davon ausgegangen werden, dass sich unsere Mitgliederzahl weiterhin reduzieren wird – zurzeit zählen wir 12 700 Mitglieder – weil auf Grund veränderter Berufsbilder die Leute heute nicht mehr ein Leben lang beim selben Arbeitgeber angestellt bleiben. Der gesellschaftliche Wandel zeichnet sich auch bei der Bahn ab: Man wechselt Stelle und Arbeitgeber heute viel häufiger und somit werden in Zukunft weniger Leute als heute bei der SBB pensioniert werden. Hierauf haben wir keinen Einfluss.

Wir werden weiterhin alles daran setzen, dass die pensionierten Eisenbahner und Eisenbahnerinnen im PV SEV ihre Heimat finden und sich in dieser einmaligen und tollen Organisation, die sich durch ein äusserst reichhaltiges Sektionsleben auszeichnet, daheim und wohl fühlen werden.

Roland Schwager, ZP PV

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RPV

Das Berufsbild des Rangierers wird es auch im 2040 noch geben, wenn auch nicht mehr in derselben form wie heute. Auch Divisionsbezogen wird er verschieden sein.

Personenverkehr:

Der klassische Rangierer von heute, die Wagen ein- und ausreihen und Züge formieren, wird es nicht mehr geben. Oder höchstens noch in Ausgangs- und Endbahnhöfen. Rangieren wird nur noch ein kleiner Teil sein. Der Grund ist die fortschreitende Verpendelung. Ich kann mir vorstellen, dass im 2040 der Rangierer bei P die Züge bei Ankunft abholt, sie wegstellt oder durch die Waschanlage fährt, in die Serviceanlagen stellt, etc., und die Züge auch wieder retour in die Abfahrtsgleise stellt und dem Lokführer den fertigen Zug zur Abfahrt übergibt. Der Rangierer wird sich vom körperlichen Handwerker zum technischen Beruf verändern.

Cargo:

Hier wird der Rangierer, oder ist er bereits, zum Allrounder. Er bewegt die Wagen, bzw. Kompositionen mit der Lok in Funkfernsteuerung und Kameraüberwachung. Er ist der Zusteller, Abholer, Datenerfasser und für die technische Kontrolle verantwortlich. Er wird zum Alleinunterhalter, der alles selbstständig erledigen wird.

Für die älteren Mitarbeiter wird es schwer sein Schritt zu halten mit der Digitalisierung. Auch diese Kollegen können mit einer positiven und motivierten Bereitschaft sich weiterentwickeln und den Weg gehen. Eine regelmässige Weiterbildung mit der Technik muss in der Praxis gelernt werden können. Es genügt nicht, alle Neuigkeiten auf die MIT-Geräte zusenden und oder auf den PC, dann zu erwarten, dass dies im Selbststudium erlernt wird.

Damit wieder Junge für diesen Beruf zu begeistern sind und bei den SBB einsteigen möchten, (Personalmangel) muss wohl eine angemessene Lohnerhöhung erfolgen. Anonsten ist wichtig:

  • das Personal zu motivieren und an die Zukunft heranzuführen, an die Zukunft glauben
  • mit der enorm schnellen technischen Entwicklung mitzuhalten
  • vom heutigen Teamplayer zum «Einzelkämpfer» zu wachsen

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TS

Die demographische Situation im digitalen Wandel ist beim Unterverband des Technischen Servicepersonals ein zentrales und wichtiges Thema. Die jüngere Generation wächst schon als «Digital Natives» auf und wird mit dem digitalen Wandel keine grösseren Probleme haben. In nächster Zeit gehen jedoch auch sehr viele Kolleginnen und Kollegen in den wohlverdienten Ruhestand. Dadurch geht viel Wissen verloren, welches über Jahre aufgebaut wurde und selbstverständlich weiterhin gebraucht wird. Die jüngere Generation hingegen bleibt nicht mehr Jahrzehnte beim gleichen Arbeitgeber. Um einen nachhaltigen Wissenstransfair herzustellen, wäre es von Vorteil, wenn Schulungen beim Arbeitgeber sowie bei der Gewerkschaft mit bewusst demografisch durchmischten Gruppen durchgeführt würden. Ebenfalls wäre es wichtig, dass der Arbeitgeber bei der Zusammenstellung der Teams auf die Durchmischung der Generationen achtet, um die jeweiligen Stärken zu verknüpfen. Durch die Einführung der Zertifizierungen von ECM wird in unserem Arbeitsalltag die Personalentwicklung immer mehr im Fokus stehen. Unser gemeinsames Ziel muss sein, dass der Unterhalt der Fahrzeuge bei der SBB bleibt, auch wenn das Eisenbahnpaket 4 der EU mit der Öffnung der Unterhaltsanlagen kommen wird. Damit die geforderte Qualität erbracht werden kann, müssen auch die Vorgesetzten in der Linie wieder näher an die Produktion rücken und nicht nur administrative Aufgaben ausführen. Zudem wäre es wünschenswert, wenn die Fachvorgesetzten auch zertifiziert würden, um die Prozesse und Anforderungen an die Mitarbeitenden zu kennen.

Der digitale Wandel verändert natürlich auch die Gewerkschaft mit seinen Unterverbänden. Mittels neuer Informationskanälen können die Mitglieder zeitnah kontaktiert werden. Auch hier ist die Situation so, dass es noch viele Kolleginnen und Kollegen gibt, welche beispielsweise kein Facebook oder WhatsApp benutzen. Durch die zunehmende digitale Informationsschwemme bekommen wichtige Informationen auch nicht den nötigen Platz und könnten als mögliche Fake News gewertet werden. Somit sind wir auch in der näheren Zukunft auf «alte» wie auch digitale Informationsquellen angewiesen. Bei der Mobilisierung sind wir sogar der Meinung, dass dies fast nur durch den persönlichen Kontakt funktioniert. Digitale Mobilisierung löst bei den Mitgliedern zu wenig Betroffenheit aus, welche beim persönlichen Kontakt individueller eingebracht werden kann. Dies ist auch bei der Mitgliederwerbung wichtig und darum sind wir in Zukunft auf gut funktionierende Unterverbände und Sektionen angewiesen, welche nahe bei den Mitgliedern sind. Es müssen jedoch nicht nur neue Mitglieder geworben, sondern auch Mitglieder gesucht werden, welche in den Vorständen mitarbeiten und etwas bewegen wollen. Viele Kolleginnen und Kollegen der jüngeren Generation kennen das klassische Vereinsleben im Privaten nicht mehr. Deshalb können sie sich wenig unter der Vorstandsarbeit in der Gewerkschaft vorstellen. Durch die immer strenger werdende Schichtarbeit wird es in Zukunft auch nicht einfacher, sich in einem privaten Verein zu engagieren. Der schon fast in Vergessenheit geratene Firmensport, angereichert mit gewerkschaftlichen Teams, wäre eine gute Möglichkeit die Vereinsstruktur in ungezwungenem Rahmen zu vermitteln. Oftmals vergessen wir vor lauter Erneuerungen die guten alten Errungenschaften aus der Vergangenheit!

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VPT

Welche Massnahmen sind in der Aus- und Weiterbildung nötig, damit alle Mitarbeiter den Schritt in die digitale Welt bewältigen können?

In unserem Unterverband sind verschiedene Berufsgruppen vertreten. Wir bezeichnen ihn gerne als kleinen SEV. Meine Antwort geht deshalb über einen einzelnen Bereich hinaus. Wir haben häufig entweder Leute mit einer sehr einseitigen Ausbildung (typisch für den öV) oder solche mit einem tiefen Ausbildungsstand.

Die Verkehrsunternehmen müssten deshalb:

  1. Die Aus- und Weiterbildung deutlich ausbauen, zusammen mit einer laufenden Fortbildung.
  2. Abklärungen durchführen, um die Weiterbildungsbedürfnisse ihrer verschiedenen Berufsgruppen zu erfassen.
  3. Den digitalen Umbau ins Zentrum der beruflichen Planung stellen und Übergänge zwischen den Berufen ermöglichen.
  4. Gewinne aus der Digitalisierung müssen zugunsten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eingesetzt werden.

Die Digitalisierung muss auch im Zentrum der politischen Anstrengungen stehen. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Staat für das Wohlbefinden der Bürgerinnen und Bürger einstehen muss. Deshalb: Die Unternehmen zur entsprechenden Ausbildung verpflichten, in der Verantwortung des Staats. Der Staat muss darauf achten, dass eine Stelle, die verloren geht, durch eine andere ersetzt wird. Eine digitale Bildungsoffensive in der Verantwortung des Staats, und zwar mit einer Weiterbildung, die die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer laufend begleitet. Der Staat muss weiter darüber wachen, dass die Umstellung für Frauen und Männer gleichermassen erfolgt. Ausschlüsse müssen zwingend verhindert werden.

Man müsste also:

  1. Den Unternehmen des öffentlichen Verkehrs einen rechtlichen und finanziellen Rahmen als Ausgangslage schaffen.
  2. Finanzielle Beihilfen zur Wiedereingliederung in die Unternehmen oder andere Bereiche bieten.
  3. Dem Personal als Absicherung einen rechtlichen Schutz bieten.
  4. Die Digitalisierung solcherart umsetzen, dass daraus eine Verbesserung der Lebensqualität hervorgeht.
  5. Verhindern, dass Kündigungen ausgesprochen werden. Eine Stelle, die durch die Digitalisierung verloren geht, muss zwingend durch eine andere ersetzt werden.

Wie sieht die ideale Mitgliederwerbung in Zukunft aus?

Das Ideale gibt es nicht … das ist eine Utopie! Aber als Gewerkschafter leben wir die Utopie, und manchmal wird sie Realität. Dank Selbstlosigkeit und Verhandlungen.

Aber wir haben folgende Probleme:

  1. Strukturelle Veränderungen der Arbeitsplätze
  2. Privatisierung des Service public, Ausschreibungen im öffentlichen Verkehr.
  3. Zunahme von prekärer Arbeit (Reinigung)
  4. Individualisierung der Gesellschaft und der Mitglieder
  5. Infragestellung der Sozialpartnerschaft
  6. Neues Ständedenken. Z.B.: VSLF
  7. Schwächung der politischen Verbindungen von einer Generation zur nächsten

Wir können Folgendes beitragen:

    • Eine soziopolitische und demokratische Vision haben
    • Alle gesellschaftlichen Gruppen in die Gewerkschaft integrieren, also auch Migrantinnen und Migranten, Frauen, Temporäre usw.
  1. Starke gewerkschaftliche Bewegung in den Betrieben
    • Gewerkschaftliche Aktivität überall verankern, wo dies nötig ist
  2. Verstärkte Präsenz an der Basis
    • Dauerpräsenz der Milizgewerkschafter in den Betrieben
    • Unterstützung durch die Berufsgewerkschafter
  3. Hohe Qualität und Bedeutung der gewerkschaftlichen Netze am Arbeitsplatz
    • Laufende Weiterbildung der Milizgewerkschafter. MOVENDO-SEV
  4. Fähigkeit zur Mobilisierung der Belegschaft
    • Kampagnen durchführen, Aktionen machen, Streik als Möglichkeit und nicht als Tabu sehen
  5. Fähigkeit zu verhandeln und sich durchzusetzen
    • Miliz- und Berufsgewerkschafter
  6. Fähigkeit zur Durchsetzung der Bestimmungen der Gesamtarbeitsverträge.
  7. Fähigkeit zum Einfluss auf Gesellschaft und Politik.
  8. Starke internationale Verbindungen
    • Wir müssen gemeinsam kämpfen.
  9. Stärkere Vertretung der Jungen in den Führungsgremien.

Schlussfolgerung: Um das alles zu erreichen, müssen wir unser System der Mitgliederwerbung überprüfen. Es wird immer schwieriger, die Verantwortung zur Werbung bei den Unterverbänden und den Sektionen anzusiedeln.

Diese Verantwortung muss auch beim SEV liegen. Aber dazu müssen wir die Strukturen der Unterverbände und des SEV anpassen.

Idealerweise kommen wir zu einer guten Mischung aus der heutigen Milizarbeit und einer guten Portion Professionalismus. Wir sehen, dass unser Milizsystem Schwächen zeigt. Die Schaffung eines Werbepools wäre entscheidend für die Zukunft des SEV.

Welches sind die wichtigsten Herausforderungen in eurem Bereich?

  1. Die Verbindung der Digitalisierung mit einer besseren Lebensqualität
  2. Die Mitgliederwerbung
    1. Die Steigerung der Mitgliederzahl
    2. Betreuung als Hauptaufgabe mit dem Ziel, die Mitglieder zu halten.
  3. Eine Strukturreform unserer Gewerkschaft.
    1. Die Zuständigkeiten der Gremien müssen überprüft werden
    2. Branchenlösungen sollten in Betracht gezogen werden
  4. Die Jugend sensibilisieren und in die Gewerkschaft einbinden
    1. Wir brauchen die Jungen, um schmerzvolle Rückschritte in schwierige, um nicht zu sagen dunkle Zeiten zu vermeiden.
    2. Ihnen muss ein viel wichtigerer Platz in unserer Organisation geboten werden.

Schlussfolgerung: Die Jungen sind die Zukunft und sie bestimmen die Zukunft, vorausgesetzt, sie finden im SEV einen Rahmen, um ihre Ideale zu verfolgen.

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ZPV

Die Digitalisierung nimmt stetig ihren Lauf. Sie entwickelt sich rasant und unaufhaltsam. Dabei hat sie Einfluss auf die Gesellschaft, vor allem aber auf die Berufsbilder. Ohne die digitalen Hilfsmittel funktioniert heute gar nichts mehr. In jedem Haushalt, in jedem Beruf haben die PC Einzug gehalten. Die Abhängigkeit der Menschen von der digitalisierten Welt ist immens.

Natürlich hat dies auch Einfluss auf die Berufe. Überall wird digital aufgerüstet. So auch bei der Bahn und den Zügen. Die Züge werden immer mehr zu Hightech-Fahrzeugen, vollgepackt mit Elektronik. Im Zuge dessen haben sich natürlich auch die Bedürfnisse der Fahrgäste verändert. Nicht nur im Bereich der Stromanschlüsse und WiFi in den Zügen, sondern auch bezüglich der Fahrkartenbeschaffung haben sich die Ansprüche der Fahrgäste sehr verändert. Über die Hälfte der Fahrausweise werden über die elektronischen Kanäle beschafft. Vorbei sind also die Zeiten, in denen das Zugpersonal mit Hut und Tasche und den Billetblöcken die Arbeit auf dem Zug verrichteten. Der Wandel von der Kernfunktion der Fahrausweiskontrolle bis hin zur Betreuung der Kundinnen und Kunden hat sehr schnell und heftig stattgefunden.

Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob und wie lange es das Zugpersonal noch geben wird. Nicht für eine mittelfristige Zeitspanne, sondern vielmehr im Hinblick auf die fernere Zukunft. Ich sage Ja. Es wird das Zugpersonal, resp. die Kundenbegleiterinnen und Kundenbegleiter immer brauchen. Wenn heute eine Kernfunktion immer noch die Einnahmensicherung ist, wird sie sich längerfristig von der Billetkontrolle zu der Betreuung der Kundschaft und der elektronischen Einrichtungen in den Zügen entwickeln. Doch das Bedürfnis der Fahrgäste nach Informationen und Betreuung wird immer vorhanden sein. Darin sehe ich eine Chance fürs Zugpersonal, oder wie immer es dann bezeichnet wird.

Milizstrukturen:

Die Milizstrukturen werden in einer Gewerkschaft, wie sie der SEV ist, immer grössere Bedeutung erhalten. Denn in einer schnelllebigen Zeit wie heute wird trotz den elektronischen Möglichkeiten der Kontakt zur Mitgliedschaft immer von grosser Bedeutung sein. Nicht zuletzt im Hinblick auf die Mitgliederwerbung gewinnt die Milizstruktur immer mehr an Bedeutung. Auch künftig wird menschlicher Kontakt sehr wichtig sein in der Gewerkschaftsarbeit.

Ich bin überzeugt, dass die Milizstrukturen bleiben werden – auch wenn sie immer der Zeit angepasst werden müssen.

Die Herausforderung der heutigen Zeit:

Für die Gewerkschaften werden die Herausforderungen der heutigen Zeit immer grösser. Der technische Wandel macht die Arbeit der Gewerkschaften immer anspruchsvoller. Die Erwartung zur ständigen Erreichbarkeit für die Mitgliedschaft und die Unternehmungen wächst stetig und vor allem immer schneller. Bereits gestern, und nicht erst heute, müssen Geschäfte erledigt sein. Der Druck an die Betroffenen wird sehr gross sein.

Die Rekrutierung von Neumitgliedern wird ebenfalls immer schwieriger. Wenn ich die Entwicklung der neuen Generationen mitverfolge, dann stelle ich fest, dass diese Mitmenschen immer kritischer werden. Sie stellen Fragen und hinterfragen eine Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft. Die Ansprüche an die Verantwortlichen steigen stetig und damit auch die Anforderungen an qualitativ hochstehende Dienstleistungen.

Ich bin jedoch überzeugt, dass die Gewerkschaften in der immer komplexeren Berufswelt in der Zukunft eine zentrale Rolle spielen werden.

Schauen wir vorwärts und nie zurück.

Andreas Menet

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